Samstag, März 18, 2006

Christlicher Osterputz



Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 2:13-25

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen.
Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um.
Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.
Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?
Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat.
Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist.



Wenn in diesen Tagen vielleicht auch bei euch der Osterputz ansteht und der Eifer steigt, das Haus oder die Wohnung wieder einmal so gründlich zu reinigen – sollten wir uns da Jesus zum Vorbild und gar zum Ansporn nehmen, wie er im heutigen Evangelium den Tempel reinigt?

Nun, einen Schritt können wir gleich mit ihm machen: Wie er vom Tempel in Jerusalem zum Tempel seines Leibes die Brücke schlägt können auch wir vom Tempel in Jerusalem gleich auf den Tempel unseres Leibes schauen und dabei bedenken, dass Paulus in 1 Kor auch uns fragt, ob wir nicht wissen, dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in uns wohnt und den wir von Gott haben? (6,19). Wir sind also Gottes Tempel und der Geist Gottes wohnt in uns. (vgl. 1Kor 3,16) Wenn nun Jesus in den Tempel unseres Leibes kommt, dürfen wir gewiss sein, dass er auch in ihm das Haus seines Vaters erkennt; und wir dürfen darum des Weiteren gewiss sein, dass der Eifer auch für dieses Haus ihn verzehrt. Ja dieser Eifer verzehrt ihn sosehr, dass er sich vom Tod hat verzehren lassen und gestorben ist. Jedoch ist er gestorben, um so den Tempel unseres Leibes radikal zu reinigen von Sünde und Tod; die unerbittliche Geißel, die er dabei verwendet ist geflochten aus den Stricken seines Todes und seiner Auferstehung.
Stellen wir uns also der bangen Frage: Hat der Herrn beim Besuch des Tempels unseres Leibes auch Grund, eine Geißel aus Stricken zu machen und aus dem Tempel unseres Leibes hinauszutreiben, was dort nicht hingehört, weil es das Haus seines Vaters zu einer Markthalle macht und verunehrt?

Wir wollen auf jeden Fall seiner gewiss auch bei uns berechtigten Strenge zuvorkommen mit dem Eingeständnis, dass im Tempel unseres Leibes sich vieles befindet, was dort nicht hin gehört; zugleich wollen wir ihn bitten, dass er uns doch helfen möge beim Osterputz unseres Lebens. Wir wollen ihm freimütig bekennen, dass wir dafür die Checkliste der 10 Gebote in der 1. Lesung sehr wohl vor Augen haben; dass wir aber dennoch gar sehr um seinen Beistand bitten, damit wir erkennen, was seinem Vater wohl gefällt und dass wir wirklich das aus unserem Herzen und aus unserem Leben entfernen, was uns schadet und seiner heiligen Gegenwart widerspricht.
Mit diesem Bittgebet werden wir seine Strenge gewiss in Milde wandeln und in seiner Barmherzigkeit wird er unverzüglich die Liebe in unserem Leben ordnen; er wird Wunden heilen; er wird Fesseln lösen. (vgl. Lk 4,18f.) Er wird uns sehen lassen das eine Notwendige: dass wir die Reinigung unseres Lebens IHM überlassen! Er wird uns die Wege sehen lassen auf denen er uns reinigen möchte: den Weg zum Sakrament der Buße; den Weg des Fastens und des Gebetes; den Weg der geschwisterlichen Liebe, den Weg in sein lebendiges Wort, den Weg zur Feier der Eucharistie; kurz und gut: den Weg in seine Heilige Gegenwart.
So wird der Herr jenes Bild Wirklichkeit werden lassen, wo auch von Reinigung die Rede ist: „Jede Rebe an mir, die Frucht bringt, reinigt der Vater, damit sie mehr Frucht bringt.“ (vgl. Joh 15,2). Es ist das Bleiben am Weinstock, es ist das Verweilen und die beständige Rückkehr in die Heilige Gegenwart des Herrn, die es IHM ermöglichen, uns vor zu von allem zu befreien, was uns von ihm trennt. Das Annehmen und Erleiden unserer Ohnmacht vor ihm öffnet seiner Allmacht das Tor, durch das er alles mit einem kräftigen Fußtritt vor die Türe setzen kann, was das verborgene Strahlen und das mächtige Wirken seiner Heiligen Gegenwart in unserem Leben verhindern möchte.
So öffnen wir ihm die Tore unseres Tempels, denn er ist das Haus seines Vaters; es ist auch sein Haus. Er kommt in übergroßer Liebe zu seinem Vater und zu uns. Und weil diese Liebe so groß ist, dass sie sogar den Tod überwindet wollen wir dieser Liebe alles anvertrauen, was ihr widerspricht; nichts davon wollen wir verschämt und stolz verstecken, als könnten wir uns in irgend einer Hinsicht selbst erlösen. Wir brauchen vor ihm kein Theater spielen; er kennt uns durch und durch. Vielmehr wollen wir uns seiner Heiligen Gegenwart anvertrauen, damit sie uns wandeln kann in Menschen seiner Gnade, die einzig leben aus seiner Güte.

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