Montag, März 20, 2006

Josefs Fastenzeit


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 2:41-51a

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.
Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.
Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.
Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.
Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.
Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.
Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam.


Der hl. Josef ist eigentlich zuhause im Advent und in der Weihnachtszeit. In die Fastenzeit hat er sich, scheint es, durch seinen Festtag am 19. März verirrt. Aber vielleicht hat er uns dennoch auch etwas für die Fastenzeit zu sagen. Schauen wir uns seine Gestalt im heutigen Evangelium näher an.

Da erleben wir Josef zuerst einmal als den, der durch seine Vaterschaft auf Jesus hingeordnet ist. Durch die Vorgeschichte ist bereits hinreichend geklärt, dass es sich um eine Zieh- und Nährvaterschaft handelt. Das soll deshalb auch nicht das Thema meiner Predigt sein.
Ich möchte lediglich hinweisen, dass Josef durch seine Hinordnung auf Jesus als Vater uns erinnert an unsere Hinordnung auf Jesus: Zahlreiche Beziehungsbilder weisen darauf hin: Jesus, dem wir nachfolgen als Lehrer und Meister, als gutem Hirten; Jesus, an dem wir hängen wie Reben an einem Weinstock; Jesus, unser Licht, unser Weg, unsere Wahrheit, unser Leben und unsere Auferstehung; Jesus das Haupt des Leibes, dessen Glieder wir sind; Jesus unser Bräutigam. Wie Josef ist auch uns diese Hinordnung auf Jesus von Gott geschenkt als Gabe und Aufgabe: denn diese Hinordnung gilt es zu bewahren, zu pflegen, zu vertiefen, zu lieben und zu leben. In der Taufe wurde uns diese Hinordnung als lebendige Mitte unseres Gnadenlebens eingestiftet; zum Zeichen dafür tragen wir seinen Namen und nennen uns Christen. Diese Hinordnung auf Jesus macht unser Leben zu einem christlichen Leben. Durch die übrigen Sakramente, durch das Wort Gottes und durch die Geschwisterliebe pflegen und vertiefen wir unsere Hinordnung auf Jesus.

In einem zweiten Schritt erleben wir bei Josef, dass seine Hinordnung auf Jesus gestört wird in der Form, dass dieser Jesus nicht mehr da ist; er hat Jesus verloren. Und es steht die Möglichkeit im Raum, dass dies geschehen ist durch Vernachlässigung seiner Aufsichtspflicht.
Und da sehen wir uns plötzlich mit einem ureigenen Thema der Fastenzeit konfrontiert: Auch unsere Hinordnung auf Jesus ist gestört; auch wir haben Jesus verloren; auch uns ist er abhanden gekommen. Nur ist es bei uns Tatsächlichkeit, dass wir den Herrn verloren haben, weil wir seine Nähe zu wenig geschätzt, zu wenig gepflegt, zu wenig geliebt haben. Wir haben tatsächlich unsere „Aufsichtspflicht“ dem Herrn gegenüber vernachlässigt, haben uns mit anderen Herren, sprich: Göttern beschäftigt und so den Herrn aus unserem Herzen und aus unserem Leben verloren.

Kommen wir nun zum dritten Schritt: zur Suche Jesu! Voll Angst hat Josef mit Maria Jesus drei Tage lang gesucht. Drei Tage Leidenszeit, drei Tage Kreuzweg für Josef. Drei Tage ohne Jesus, drei Tage Jesusfasten – unverschuldet und von Gott gefügt um Josef zum Geheimnis der Gottessohnschaft Jesu hinzuführen.
Und bei uns? Ach möge uns doch auch der Schmerz des Josef erfüllen um den Verlust seines Sohnes und möge noch der Schmerz hinzukommen darüber, dass wir aus eigener Schuld den Herrn verloren haben! Möge dieser Schmerz uns auf den Weg aufrichtiger Umkehr führen, indem er uns löst von gar allem, was uns von Jesus wegführt und von ihm fernhält!

Und schließlich: Wo findet Josef Jesus? Im Tempel! Im Haus Gottes. Bei Gott! So wollen auch wir uns schleunigst zu Gott aufmachen, um bei ihm Jesus zu finden; um ihn zu bitten, dass er uns Jesus wieder schenken möge – unsere wahre Freude! Und gehen wir dabei jene Wege, die gewiss zu ihm führen: den Weg des Gebetes, den Weg seines Wortes, den Weg der Versöhnung im Sakrament der Buße, den Weg der geschwisterlichen Liebe.

Wir sehen also: Josef hat sich keineswegs zufällig in die Fastenzeit verirrt. Er ist vielmehr der Mann auch für diese Zeit: der Mitleidende, der Mitsuchende, der Mitfreuende, wenn wir den Herrn gefunden haben! Wenn wir uns ganz ihm und seiner Braut Maria anvertrauen können wir Jesus nicht verfehlen. Wir werden ihn gewiss finden und seiner uns wieder freuen.

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