Donnerstag, Februar 23, 2006

Jesus, der Allheiland



Aus dem hl. Evangelium nach Lukas 6: 17-19

Jesus stieg mit seinen Jüngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

 

„Alle Leute versuchten ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.“

Diese Worte sagen uns etwas über Jesus; etwas sehr wichtiges: sie sagen uns, dass Jesus ein Heiland ist. Aber sie sagen noch mehr: denn die Kraft, die von ihm ausgeht, heilt nicht nur diesen oder jenen; nicht nur bestimme Menschen und andere nicht; nicht nur eine Klasse von Menschen und andere nicht: die Kraft, die von IHM ausgeht, heilte alle! Jesus ist der Heiland für alle; seine Kraft heilt alle. Er ist der Allheiland! Er ist der Heiland schlechthin. Denn seiner Macht müssen sich alle beugen; seiner Kraft müssen sogar die unreinen Geister weichen. So kann Paulus schreiben „wie überragend groß Gottes Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird. Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.“ (Eph 1,19-22)
Warum ist die Kraft Jesu eine heilende Kraft für alle? Weil sie aus einem Herzen kommt, das alle liebt; weil sie aus einem Herzen kommt, das Mitleid hat mit den leidenden Menschen. Weil sie aus einem Herzen kommt, das in dem schlägt, den Gott gesandt hat, damit er „den Armen eine gute Nachricht bringe; damit er den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit er die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4,18f.)
Diese Kraft ist eine allheilende Kraft, weil sie aus einem allliebenden Herzen kommt. Darum hat diese Kraft nicht nur die Kranken zurzeit Jesu geheilt sondern die Kranken aller Zeit; auch die Kranken unserer Zeit.
Nur fragen wir uns dann: Warum sind dann nicht alle gesund? Warum gibt es dann überhaupt noch Kranke?
Weil diese Kraft zwar jeden Kranken heilen möchte aber nicht jeden Kranken erreicht! Es gibt nämlich Kranke, die wissen nicht, dass sie krank sind; und dann gibt es Kranke, die er nicht heilen kann, weil sie nicht wissen oder nicht glauben, dass Jesus sie heilen kann.
Die sind wie Leute, die neben einem Kraftwerk erfrieren, weil sie ihren Ofen nicht anstecken.
Diese Kraft ist keine Zwangsbeglückung, die wie Flugblätter von einem Hubschrauber abgeworfen werden.
Wir kennen ja die Geschichte von der blutflüssigen Frau bei Mk 5,24-34: Die litt schon 12 Jahre an Blutungen; kein Arzt konnte ihr helfen; es wurde immer schlimmer; sie nun berührt Jesus! Aber hat sie das unbedacht getan, so etwa – wie ihr den Sessel berührt auf dem ihr gerade sitzt oder die Nachbarin neben euch? Nein! Sie hat sich etwas gedacht, als sie Jesus berührte: Sie sagte sich nämlich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. „Sofort hörte die Blutung auf und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?“ Jesus nennt diese Haltung der Frau Glaube: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.“
Seht ihr! Es nützt nichts, wenn wir unmittelbar vor der Wasserpiepe stehen; dadurch wird unser Durst nicht gelöscht. Wir müssen die Piepe berühren und an ihr drehen, dann beginnt das Wasser zu fließen und wir können unseren Durst löschen.
So müssen auch wir wie die Frau in der Geschichte und die Leute im Evangelium danach streben, Jesus zu berühren, weil auch wir glauben, dass Jesu Kraft uns heilen kann. Gerade in diesen Exerzitien habt ihr zahllose Möglichkeiten, Jesus zu berühren: In der hl. Messe, bei der Beichte, bei der Anbetung, beim Lobpreis, beim Segnen, im Dienst aneinander. Nützt diese Gelegenheiten mit aller Kraft eures Glaubens.
Aber so wie Jesus euch mit seiner Kraft nicht vergewaltigen will so versucht auch ihr nicht, Jesus mit eurem Glauben zu vergewaltigen! Was ich damit meine?
Nun: Da hat es einen Mann gegeben, dem wurde ein Stachel ins Fleisch gestoßen: Ein Bote Satans schlägt ihn mit Fäusten! Alles andere als ein kleines Wehwehchen. Einige werden schon wissen, wen ich meine: den Völkerapostel Paulus! Dreimal hat er den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von ihm ablasse. Was muss das für ein Beten gewesen sein! Ein Gebet, das den Himmel erstürmt hat und bis an das Herz Jesu gelangt ist! Paulus hat wahrhaftig mit aller Kraft seines Glaubens den Herrn berührt! Und? Hat der Herr ihn erhört? Hat der Herr ihn befreit? Hat der Herr ihn geheilt?
Der Herr antwortete ihm: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Der Herr hat ihn nicht befreit und nicht geheilt! Das wäre dem Paulus nämlich zum Unheil geworden; denn diesen Stachel hat der Herr in sein Fleisch gestoßen, damit er sich wegen seiner einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe. Hätte also der Herr ihn vom Unheil dieses Stachels befreit wäre Paulus in das viel größere Unheil des Stolzes gefallen. Dafür hat der Herr ihm die Augen geöffnet für die Macht seiner Gnade, die alles vermag: Meine Gnade genügt dir. Denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit!
Seht ihr, das meine ich, wenn ich sage, dass wir den Herrn mit unserem Glauben nicht vergewaltigen sollen: Wir sollen ihm nicht vorschreiben, wie, wann und wo er uns zu heilen habe! Begegnen wir dem Herrn mit reinem Glauben. Rein ist unser Glaube, wenn er bei aller Stärke dem Herrn absolute Freiheit lässt im Umgang mit uns. Der Herr weiß nämlich viel besser als wir selber, was uns gut tut. Bei uns selber besteht nämlich aufgrund unserer Blindheit allzu sehr die Gefahr, dass wir von einem Übel befreit werden möchten, um gerade dadurch in ein noch viel schlimmeres Übel zu geraten.
Die Reinheit unseres Glaubens kommt zum Ausdruck, wenn wir beten können: „Jesus, mein Heiland! Du siehst mein Elend und kennst meine Not! Ich möchte dich mit aller Kraft meines Glaubens berühren und mich so öffnen für deine heilende Kraft. Heile mich! Befreie mich! Erlöse mich! Sei mein Heiland! Doch sollst du eines wissen: Wie immer du auf mein Flehen antwortest: Ich werde nicht mehr von dir lassen. Ob du mich erhörst oder nicht: ich werde den Saum deines Gewandes mein Leben lang nicht mehr loslassen! Lieber sterbe ich!“
Glücklich wer so beten kann, denn er hat von der Gabe zum Geber gefunden und wird in dieser Gemeinschaft mit dem Herrn die wahre Freude und den vollkommenen Frieden finden.Gepriesen sei der Herr! Halleluja!

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