Freitag, Februar 24, 2006

Christlicher Fasching



Das Evangelium nach Markus 2:18-22

Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten?
Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.
Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.
Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch vom alten Kleid ab und es entsteht ein noch größerer Riss.
Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

„Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten?“

Mit dieser Frage zeigen die Leute, dass sie Jesus noch nicht kennen. Sie wissen noch nicht, wer er ist. Sie wissen nicht, dass Jesus mehr ist als Johannes und mehr ist als die Pharisäer. (vgl. Mt 12,41f.) Sie kennen nicht seine Beziehung zu Gott und haben keine Ahnung von seinen eigentlichen Qualitäten. Sie können in der menschlichen Gestalt des Jesus von Nazareth noch nicht den Sohn des lebendigen Gottes erkennen. (vgl. Mt 16,13-17) Die Menschheit Jesu ist für sie noch wie eine Maske, hinter der sie seine Gottheit nicht erkennen können. So können sie auch das Neue nicht kennen, das mit ihm begonnen hat. Sie können nicht den neuen Maßstab sehen, den er setzt und der er selber ist. Für die Jünger Jesu kann deshalb auch nicht mehr maßgeblich sein, was die Jünger des Johannes oder der Pharisäer tun. Der neue Maßstab für die Jünger Jesu ist Jesus selber. An IHM richtet sich ihr Verhalten aus. Das versucht Jesus zu erklären im Bild vom Bräutigam und den Hochzeitsgästen. Seine Gegenwart verursacht festliche, üppige Freude – mag die Welt rundum auch fasten. Und seine Abwesenheit verursacht Fasten und Trauer – mag die Welt rundum sich auch unbändig freuen. Die Verbundenheit mit Jesus bedeutet auch Absonderung und Entfremdung vom Denken, Reden und Tun der Welt rundum.

Wie die Leute damals so kommen sie auch heute zu Jesus und fragen ihn: Die Jünger des Kapitalismus scheffeln Geld; warum nicht auch deine Jünger? Und Jesus antwortet ihnen: Solange ich bei ihnen bin können sie nicht Geld scheffeln; denn sie können nicht Gott dienen und zugleich dem Mammon! (vgl. Mt 6,24 par.)
Oder die Leute fragen ihn: Die Jünger der Genusssucht genießen die Welt in vollen Zügen; warum nicht auch deine Jünger? Und Jesus antwortet ihnen: Solange ich bei ihnen bin können sie die Welt nicht in vollen Zügen genießen; denn sie genießen mich, damit meine Freude in ihnen ist und ihre Freude vollkommen wird. (vgl. Joh 15,11)
Oder die Leute fragen ihn: Die Jünger der Esoterik kreisen um sich selber in verschiedenen fernöstlichen und heidnischen Übungen; warum nicht auch deine Jünger? Und Jesus antwortet ihnen: Solange ich bei ihnen bin, können sie nicht um sich selber kreisen, denn ich bin ihre Mitte, ich bin ihr Meister, ich ihr Herr! (vgl. Mt 23,8-10)

Der heutige Faschingsonntag führt zu der Frage: An welchem Maskenumzug nehmen wir Christen teil: An dem, wo wir unsere eigensüchtigen Ziele hinter der Maske christlicher Frömmigkeit verbergen oder auf dem, wo wir unser Christsein hinter der Maske der Weltlichkeit verbergen, weil wir uns scheuen, als Christen aufzufallen? Oder sind wir womöglich auf beiden Umzügen daheim – je nach Vorteil auf dem einen oder dem anderen? Dass wir also unsere Farben wechseln wie ein Chamäleon – je nach Umgebung?

Die Herausforderung des heutigen Evangeliums an uns Christen steht unüberhörbar, unübersehbar im Raum: Ist Jesus der Maßstab unseres Lebens? Wenn ja, in welchem Umfang? Und sogleich werden wir entdecken die Widersprüchlichkeit dieser 2. Frage nach dem Umfang; denn entweder ist Jesus das Maß unseres christlichen Lebens oder er ist es nicht. Halbes Maß ist in diesem Fall kein Maß! Bin ich unmäßig hart in meinen Forderungen? Keineswegs! Denn es ist die Forderung des Herrn: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ (Lk 11,23). Da gibt es kein dazwischen; da gibt es kein halbe halbe; Da gibt es nur ganz oder gar nicht! Diese Maßlosigkeit, ganz Jesus anzugehören, ist der einzige Weg, der aus unserer christlichen Mittelmäßigkeit herausführt – aus einer Mittelmäßigkeit, die im Kern Unchristlichkeit, ja Widerchristlichkeit ist und der jenes Schicksal bestimmt ist, das der Apostel in der Offenbarung schildert: „Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.“ (Offb 3,16)

Unsere Berufung ist es aber, zu Christus zu gehören (vgl. 2 Kor 10,7 u.a.) und dass Christus in uns lebe. (vgl. Gal 2,20) Darum beten wir mit dem hl. Pierre Olivaint: „Wachse, Jesus, wachse in mir. In meinem Geist, in meinem Herzen, in meiner Vorstellung, in meinen Sinnen. Wachse in mir in deiner Milde, in deiner Reinheit, in deiner Demut, deinem Eifer, deiner Liebe. Wachse in mir mit deiner Gnade, deinem Licht und deinem Frieden. Wachse in mir zur Verherrlichung deines Vaters, zur größeren Ehre Gottes. Amen.

Keine Kommentare: