Samstag, Februar 18, 2006

Wie kann der so reden




Aus dem hl. Evangelium nach Markus 2:1-12

Als er einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er (wieder) zu Hause war.
Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort.
Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen.
Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen (die Decke) durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.
Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen:
Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?
Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? örtlich: Jesus merkte in seinem Geist sofort, dass sie so dachten.
Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben! oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh umher?
Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten:
Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!
Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.



Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Die vier Träger haben sich wirklich was einfallen lassen, um ihren Gelähmten zu Jesus zu bringen. Nichts konnte sie von Jesus abhalten: Nicht die unpassierbare Menschenmenge; nicht die Mauern des Hauses, in dem Jesus sich aufhält. Sie haben sich wahrlich sehr viel Mühe gegeben, um ihren Gelähmten schließlich durch eine Lücke im Dach des Hauses vor den Herrn herabzulassen. Sie haben sehr viel geleistet, um zu Jesus zu gelangen; und Jesus konnte mit recht an ihren Taten den Glauben an ihn ablesen. Der Glaube an Jesus hat diese vier Träger zu einer außerordentlichen, zu einer filmreifen Aktion bewegt. Was werden sie nun von Jesus wohl anderes erhofft haben, als dass er den Gelähmten heile! Aber Jesus beantwortet ihren Glauben nicht, indem er zum Gelähmten sagt: Steh auf und geh! Er sagt zu ihm: mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Womöglich sind sie sich vorgekommen, wie einer der Gold und Edelsteine bestellt hat – dafür aber bloß Kieselsteine bekommt! Die Menschen sehen nur die Krankheit des Leibes, Jesus sieht die Krankheit des Herzens. Die Menschen sehen nur die Lähmung der Glieder; Jesus sieht die Lähmung des Herzens durch die Sünde. Die Menschen sehen nur die mühsame Last der körperlichen Krankheit; Jesus sieht die viel schwerere Last der Sünde im Herzen des Gelähmten. Und wir wissen ja sehr gut, wie Jesus von der Sünde denkt und wie er sie einschätzt: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.“ (Mt 5,29f.) Jesus sieht, dass die Sünde ein viel größeres Übel ist als körperliches Handicap; dass die Krankheit der Seele viel schlimmer ist als die Krankheit des Leibes; darum vor allem anderen die Worte Jesu im heutigen Evangelium: Mein Sohn! Deine Sünden sind dir vergeben! Diese Worte spricht der, „der am Herzen des Vaters ruht“ (Joh 1,18); der in einer Nähe zu Gott lebt, die wir uns nicht vorstellen können; der mit Gott in einer Weise verbunden und eins ist, die unser Begreifen übersteigt. Diese Worte spricht der, der wie kein Mensch sonst mit Gott lebt, in Gott lebt, von Gott her lebt und der von dieser Einheit mit Gott her beurteilen kann, was die Sünde bedeutet, die eben diese Einheit mit Gott zerstört; darum im heutigen Evangelium vor allem anderen: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
Diese Worte spricht der, der gerade deshalb gekommen ist, „die Sünde der Welt hinweg zu nehmen.“ (Joh 1,29) Der, „der sich für unsere Sünden hingegeben hat, um uns aus der gegenwärtigen bösen Welt zu befreien, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters.“ (Gal 1,4) Der, „der in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu retten.“ (1Tim 1,15) Der, „der die Sühne ist für unsere Sünden.“ (1Joh 2,2) Auf dem Hintergrund dieser Worte ist die Schwere der Sünde für uns ablesbar an dem, was Jesus erlitten hat und wie er gestorben ist – um uns alle von der Sünde zu befreien; um uns alle wieder mit Gott zu versöhnen.
Mit den Augen Jesu und mit den Augen des Glaubens besehen haben die vier Jesus bloß um einen Sack Kieselsteine gebeten, indem sie um die körperliche Heilung des Gelähmten baten und Jesus hat ihnen dafür einen Sack voll Gold und Edelsteinen gegeben, indem er zu dem Gelähmten sagte: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“
Die Botschaft Jesu liegt auf der Hand: Wir tun gut, wenn wir uns um die Heilung des Leibes bemühen! Aber noch viel besser tun wir, wenn wir uns um die Heilung unserer Seele bemühen! Wir tun gut, wenn wir auf die Gesundheit unseres Leibes achten; aber wir tun noch viel besser, wenn wir uns die Gesundheit der Seele bewahren, indem wir uns vor jeglicher Sünde hüten! Es ist wichtig, dass wir zum Arzt gehen, um die Krankheiten unseres Leibes heilen zu lassen; aber es ist noch viel wichtiger, dass wir zur Beichte gehen, um uns unsere Sünden vergeben zu lassen von dem, der dort durch den Priester der wahrer Arzt unserer Seele sein möchte: Jesus unser Erlöser, Befreier und Heiland, der uns je und je in eine Freiheit und in einen Frieden führen möchte, der unser Begreifen übersteigt. Seine erbarmende Liebe kennt keine Grenzen und sei gepriesen jetzt in Ewigkeit! Amen!

Keine Kommentare: