Samstag, Februar 11, 2006

Wenn Jesus will



Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 40 - 45

Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.
Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein!
Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war rein.
Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein:
Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein.
Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.


Der Aussatz war zurzeit Jesu eine unheilbare Krankheit. Als Aussätziger war man den Toten gleichgestellt. Das Krankheitsbild ist entsetzlich. Schlimmer aber als der körperliche Schmerz war wohl die Aussonderung aus der menschlichen Gemeinschaft; die erste Lesung berichtet davon. Sie war nicht gegen den Kranken gerichtet sondern zum Schutz für die Gemeinschaft. Zudem wurde dieses Leiden als Zeichen angesehen, von Gott verworfen zu sein. Ich möchte nun aber nicht die Aufmerksamkeit auf den erbärmlichen Zustand des Aussätzigen im Evangelium richten. Nicht seine Armut fasziniert mich sondern – sein Reichtum. Nur keine Sorge: ich werde nicht zynisch und ich werde auch nichts schön reden.
Ich möchte euch den Reichtum der Haltung entdecken, mit der dieser Aussätzige zu Jesus kommt.
In ihm ist das Vertrauen da, dass Jesus ihm helfen kann. Und dieses Vertrauen muss bei dieser unheilbaren Krankheit sehr, sehr groß sein. Dieses Vertrauen stärkt ihn, ein Tabu zu brechen – nämlich, sich als Aussätziger gesunden Menschen zu nähern. Dieses Vertrauen lässt ihn Jesus um Hilfe bitten.
Doch sehen wir hin, wie er Jesus um Hilfe bittet, sehen wir genau hin: Er stürzt sich nicht auf Jesus; er packt ihn nicht am Gewand; er schreit ihn nicht an: Wie kannst du mir so was antun? Wie kannst du so was zulassen? Warum gerade ich diese Krankheit? Auf der Stelle machst du mich hier und jetzt gesund! Nichts von all dem!
Wie also bittet er Jesus um Hilfe? Er sagt vorerst überhaupt nichts. Er setzt ein Zeichen: er fällt vor ihm auf die Knie! Mit dieser Geste drückt er aus, was er mit Worten nicht sagen kann: du bist so groß – ich bin so klein! Du bist so heil – ich bin so furchtbar unrein! Du bist so stark – ich bin so erbärmlich schwach! Du bist so gut – ich bedarf so sehr deiner Güte!
Seht ihr: dies alles ist in dieser Geste drinnen; und noch kam kein Wort über seine Lippen. Aber die Anerkennung Jesus und die Annahme seiner selbst, die in diesem Kniefall zum Ausdruck kommen sind der Grund, aus dem sein Vertrauen erwächst, das ihn zu Jesus hinführt.
Und erst nach dieser stillen Geste spricht er zu Jesus: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde! Bedenken wir die edle Schönheit dieser Worte! Kein Befehl: Mach mich rein! Sofort! Hier und Jetzt! Keine aufdringliche Bitte: Du musst mich rein machen, Jesus! Unbedingt! Ich leide schon so lange an dieser Krankheit – oder weiß Gott welche Gründe er noch anfügen könnte! Nein! Sondern: Wenn du willst kannst du mich rein machen! Maßgeblich für diesen Kranken ist nicht sein Wunsch nach Gesundheit, der weiß Gott groß genug gewesen sein mag! Maßgeblich war für ihn der Wille des Herrn: Wenn du willst! In diesen Willen legt er sich voll Vertrauen hinein – und lässt dem Herrn die Freiheit, auch nicht zu wollen!
Erkennt ihr nun den Reichtum dieses Aussätzigen: Die Anerkennung der Größe Jesu; die Annahme seiner Bedürftigkeit; sein Vertrauen auf Jesus; die Bereitschaft, Jesus in seiner Freiheit nicht einzuschränken; die Offenheit, das annehmen zu wollen, was Jesus will. Es ist das ein Reichtum seines Herzens und steht in krassem Gegensatz zur Armseligkeit seines Leibes.
Und ich kann es mir nicht anders vorstellen; ja ich bin überzeugt: dieser Herzensreichtum des Aussätzigen hat Jesus angezogen und fasziniert. Wir können diesen Reichtum auch Reinheit des Herzens nennen, die durch das Verhalten des Aussätzigen mächtig zum Herrn hin drängt und sich in der Reinheit des Körpers niederschlagen möchte.
Es spricht hier eigentlich das Herz des Aussätzigen zum Herzen Jesu. Und der Herzensreichtum des Aussätzigen in seinem Vertrauen ruft den Reichtum im Herzen Jesu hervor in dessen Barmherzigkeit.
Und so spricht auch bei Jesus zuerst das Herz und der Körper ehe der Mund redet; wir hören nämlich: Jesus hatte Mitleid mit ihm – die Sprache des Herzens; er streckte die Hand aus und berührte ihn – die Sprache des Körpers; und dann erst redet Jesus: Ich will es. Werde rein!
Augenblicklich verschwand der Aussatz, und der Mann war rein!

Meine lieben Freunde: Lernen wir von diesem Aussätzigen für unser Hingehen zu Jesus; für unsere Begegnung mit Jesus. Ob wir uns in sein Wort vertiefen in der Schriftlesung oder in der Vorbereitung auf die Predigt; ob wir zur Beichte gehen; ob wir eine Kirche betreten; ob wir an einer hl. Messe teilnehmen; ob wir einem Menschen begegnen; ob wir beten: Sagen wir zuerst einmal gar nichts – so sehr es auch in uns rumort; bleiben wir zuerst einmal still und werden wir uns inne der liebevollen Größe unseres Herrn und nehmen wir unsere eigene Bedürftigkeit, unseren „Aussatz“ an – mag er noch so schlimm sein. Es ist das ein Geschehen vor allem in unserem Herzen und weniger in unserem Kopf; es geht auch bei uns um jenen Reichtum, um jene Reinheit des Herzens, die sich in unserem Vertrauen auf Jesus ausdrücken möchte. Denn das Herz Jesu können auch wir nur von unserem Herzen aus erreichen und berühren. Wir müssen ein Gespräch von Herz zu Herz mit Jesus anstreben. So werden auch wir zu jener Größe des Aussätzigen im Evangelium wachsen, die dem Herrn freie Hand lässt in dem, was er uns wie, wann und wo schenken möchte. Diese Größe ist es, die uns in dem, was der Herr uns gibt, seinen Willen erkennen lässt, seine Gabe für uns, die hier und jetzt das Beste für uns ist. Diese Größe führt uns zu einem tiefen Frieden in allem, was uns geschieht, denn diese Größe lässt uns von Herzen beten: Dein Wille geschehe – nicht der meine!
Um diese Größe anzustreben können wir keine bessere Begleiterin haben, als jene Frau, die gesagt hat: Ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort! Es ist Maria, die Mutter unseres Herrn Jesus Christus, dessen Wille geschehe jetzt und in Ewigkeit. Amen!

Keine Kommentare: