Samstag, Januar 21, 2006

Kommt, folgt mir nach!




Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1:14-20

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes
und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!
Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer.
Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.







Jona und Jesus! Diese beiden Gestalten werden uns heute durch die liturgischen Texte nebeneinander vor Augen gestellt. So hören wir denn, was sie uns zu sagen haben. Entdecken wir, was beide gemeinsam haben und was beide unterscheidet.
Beide wissen sich von Gott gesandt; beide haben eine Botschaft auszurichten.
Jona verkündet: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!
Jesus verkündet: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
Wie reagieren die Zuhörer Jonas? „Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten.“ (Jona 3,5.10)
Wie reagieren die Zuhörer Jesu? „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ (Mk 1,18) und etwas später: „ Sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.“ (Mk 1,20) Damit sind Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes gemeint.
Jona bewegt die Leute von Ninive zur Umkehr durch die Androhung eines gewaltsamen Untergangs der Stadt.
Jesus bewegt zur Umkehr durch die Einladung in die Gemeinschaft mit ihm: Kommt, folgt mir nach!
Bei Jona wenden sich die Leute von ihren bösen Taten ab.
Bei Jesus kehren die vier Fischer zu einem Leben um, das von Jesus geprägt wird.
Durch die Botschaft Jonas schrecken die Leute Ninives vor dem Untergang ihrer Stadt zurück.
Durch die Botschaft Jesu werden die vier Fischer von einem Leben mit Jesus angezogen.
Jona übermittelt eine Drohbotschaft an die Leute von Ninive.
Jesus ist selber der Inhalt der Botschaft, die er verkündet: Mit ihm ist die Zeit erfüllt. Mit ihm ist das Reich Gottes nahe gekommen. Denn in ihm ist der geliebte Sohn Gottes zu uns gekommen.

Jesus möchte nicht durch Drohung zur Umkehr bewegen sondern durch das Angebot seiner Nähe und durch die Einladung in die Lebensgemeinschaft mit ihm; so als würde er sagen: kommt mit mir und ich zeige euch einen tieferen Sinn in eurem Leben, ein höheres Ziel, einen größeren Reichtum. Er schaut dabei nicht auf das, was in der Vergangenheit an Bösem geschehen ist; er schaut auf die Menschen und traut ihnen grundsätzlich diese Umkehr, diese Wandlung zu. Dabei ist es jedoch nicht so, dass die Leute bei dieser Umkehr sich auf ihre eigene Kraft verlassen müssten. Er weiß, das würde mit Sicherheit schief gehen. Vielmehr dürfen und sollen sie die Kraft zu dieser Umkehr aus der Gemeinschaft mit ihm schöpfen. Wenn also Jesus nach seinem Ruf zur Umkehr sogleich in seine Nachfolge ruft dann sagt er damit: Habt keine Angst vor dieser Umkehr – ich gehe diesen Weg eurer Bekehrung mit – vom mühsamen Anfang bis zum seligen Ende! Fürchtet euch nicht, denn ich bin mit euch; bei mir findet ihr die Kraft, das Licht, die Freude für diesen Weg. Jesus weist nicht nur den Weg zur Umkehr und setzt sich wie Jona dann auf einen Hügel nahe der Stadt Ninive, um zu sehen, was nun geschieht. (vgl. Jona 4,5) Nein, Jesus will diesen Weg vielmehr mitgehen – so sehr, dass er später einmal sagen wird: „Ich bin der Weg! Niemand kommt zum Vater außer durch mich!“ (Joh 14,6)

Es kommt noch ein weiteres dazu: Jesus hat die Umkehr, zu der er einlädt, selbst vollzogen! Nicht, dass er von einem Weg der Sünde umgekehrt wäre! Aber er ist von einem vollkommenen Leben im Verborgenen umgekehrt zu einem vollkommenen Leben in der Öffentlichkeit. Die große Wende war seine Taufe am Jordan und die anschließende Zeit in der Wüste. Die Liebe Gottes, des Vaters und die Kraft des heiligen Geistes haben ihn zur Umkehr geführt. Beides verkörpert er vollkommen. Und er ist gekommen, beides den Menschen weiterzugeben – als Inhalt des Reiches Gottes. In beidem steht er fest und kann deshalb mit Vollmacht seine Botschaft verkünden und die Menschen unwiderstehlich anziehen. Möge auch uns sein Ruf zur Umkehr von neuem treffen und mögen wir im Reich Gottes vor allem anderen die Fülle der Gemeinschaft mit ihm erkennen und anstreben, die jedes Begreifen übersteigt.

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