Donnerstag, Januar 12, 2006

Die Taufe Jesu




 Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1: 7-11

   7       Johannes verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
   8       Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
  
   9       In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
   10       Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
   11       Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
 
I

Wenn im Evangelium eben die Taufe Jesu von Nazaret erzählt wird, dann kommt man sich fast wie ein Zaungast vor und wie ein zufälliger Beobachter von einem persönlichen Geschehen an und mit diesem Jesus. Denn genau besehen sieht eigentlich nur Jesus den geöffneten Himmel und den Geist wie eine Taube auf sich herabkommen; und die Stimme aus dem Himmel spricht ihn persönlich an: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Das ist eine persönliche Mitteilung; und keine öffentliche Proklamation an die umstehenden Leute.
Diese Erfahrung stellt Jesus selber zuerst einmal vor die Frage: Was hat der offne Himmel zu bedeuten? Was ist das für ein Geist, der in Gestalt einer Taube auf mich herabgekommen ist? Und wer nennt mich da einen geliebten Sohn, an dem er sein Wohlgefallen hat?
Da Jesus die Bibel gekannt hat, wird ihm bei der Beantwortung dieser Fragen jener Text aus dem Propheten Jesaja geholfen haben, den wir in der ersten Lesung gehört haben: „So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt.“ Was heißt hier geholfen haben!? In diesem Prophetenwort steht bloß von einem Knecht und einem Erwählten! Jesus aber hört in dem Zuspruch vom Himmel: Du bist mein geliebter Sohn! Zwischen Erwähltem und Knecht einerseits und geliebtem Sohn andererseits liegen Welten! Und das ist es, was Jesus als gläubigen Juden zutiefst erschüttert haben muss: dass da Gott zu ihm gesprochen hat – und ihn „meinen geliebten Sohn“ nennt! Jesus wird mit der Aussage konfrontiert, dass er geliebter Sohn Gottes ist! Ich glaube, wir sind zu weit von jener Ehrfurcht vor Gott entfernt, um die niederschmetternde Wucht dieser Aussage zu empfinden. Wir denken und empfinden zu oberflächlich von Gott, um uns von der Aussage, geliebtes Kind Gottes zu sein, durcheinander zu bringen und aus der Bahn werfen zu lassen. Jesus hingegen wurde nachhaltig erschüttert und für sein weiteres Leben geprägt: Einmal dadurch, dass er sofort nach der Taufe vom Geist in die Wüste getrieben wurde; und später dann dadurch, dass sein bisheriger Lebenslauf völlig auf den Kopf gestellt wurde, völlig aus allen Fugen geraten ist: Lebte er bisher unscheinbar, normal, verborgen wie jeder andere auch so beginnt er nun öffentlich aufzutreten durch sein Predigen und sein Wirken. Und auch dabei wird ihn das Prophetenwort der heutigen Lesung inspiriert haben: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Er öffnet blinde Augen, holt Gefangene aus dem Kerker und befreit alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft.“ (Jes 42, 2.7) Und tatsächlich seine Worte waren kein Schreien und Lärmen sondern Reden mit Vollmacht in der Öffentlichkeit und bewegendes Gespräch von Angesicht zu Angesicht; und von seinem Handeln hören wir im zusammenfassenden Rückblick aus der zweiten Lesung, „dass er umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.“ (Apg 10, 38)
Was hat das alles für uns zu bedeuten?
Das Tagesgebet gibt uns Antwort: Zuerst fasst es kurz zusammen, was bei der Taufe am Jordan an Jesus geschehen ist: Allmächtiger ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Und dann bitten wir in diesem Gebet: Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Wir werden an unsere eigene Taufe erinnert und daran, dass auch wir diesen Hl. Geist empfangen haben zum Zeichen, dass auch wir im Wohlgefallen Gottes stehen; dass auch wir seine Kinder sind – und dass dies auch in unserem Leben sichtbar werde!
Das heutige Evangelium möchte uns also zutiefst erkennen lassen, wer dieser Jesus von Nazaret ist – nämlich der geliebte Sohn Gottes; und wer wir zutiefst sind auf Grund der Taufe – nämlich auch geliebte Kinder eben dieses Gottes Jesu.
Das heutige Evangelium möchte auch uns so wie Jesus hinführen zur revolutionären Erkenntnis, dass wir geliebte Kinder Gottes sind.



II

Im Evangelium erleben wir die Taufe als einen markanten Wendepunkt im Leben Jesu. Nicht eine Wende von einem schlechten Leben zu einem guten Leben; von einem Irrweg auf den rechten Weg; von Gottferne in die Gottnähe!
Wir erleben die Wende von einem vollkommenen Leben zu einem vollkommenen Leben: Bis zur Taufe hatte Jesus ein vollkommenes Leben im Verborgenen geführt: Zu Hause in Nazaret bei seiner Mutter Maria und seinem Ziehvater Josef, bei seinen Verwandten und Freunden. 30 Jahre hat er ein Leben geführt wie du und ich – in allem uns gleich außer der Sünde!
Was geschieht nun bei seiner Taufe: Er sieht den Himmel offen! Er sieht den Geist auf sich herabsteigen wie eine Taube! Er hört die Stimme aus dem Himmel zu ihm sprechen: Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Gefallen gefunden! So wie es uns das Evangelium berichtet, hat nur Jesus diese Phänomene wahrgenommen;
Ihm selber und uns zeitlich Fernstehenden wird geoffenbart, wer dieser Jesus eigentlich ist: Kein bloßer Mensch, nicht nur der Jesus von Nazaret; nicht nur der Sohn des Zimmermanns und der Maria – Er ist geliebter Sohn Gottes! Er ist der geliebte Sohn Gottes! So wurde von Gott bisher noch niemand angeredet; und so wurde seither auch niemand mehr von Gott angeredet. Diese Einsicht hat ihn wie eine Faust gepackt und aus seinem bisherigen Leben herausgerissen; von einem Augenblick auf den nächsten war nichts mehr so wie bisher. Treibende Kraft bei all dem war der Geist; der trieb ihn dann auch nach der Taufe in die Wüste, in jenen Freiraum, in dem er sich mit dieser neuen Einsicht in sein Leben auseinander setzen konnte und auseinander setzen musste. Dabei dürfen wir gewiss sein, dass der Geist ihn nicht bloß in die Wüste geführt hat, um ihn dort sich selber zu überlassen mit dem neuen Leben, das da bei der Taufe über ihn hereingebrochen und aus ihm heraus gebrochen ist. Vielmehr wird ihn der Geist bei der Auseinandersetzung mit diesem neu Erkannten in seinem Leben begleitet haben und ihn vor allem auch zu jenen Worten aus der hl. Schrift geführt haben, die ihm bei der Suche seines neuen Lebensweges helfen sollten. Und da mag dann wohl auch das Wort des Propheten Jesaja in seinem Herzen gesprochen haben, das wir eben in der ersten Lesung gehört haben: „So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt.“ Und bei der weiteren Frage: Wozu das alles? wird ihm dann den Weg gewiesen haben, was Jesaja weiter schreibt: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Er öffnet blinde Augen, holt Gefangene aus dem Kerker und befreit alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft.“ Oder jenes andere Prophetenwort aus Jes 61, 1-3: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, damit ich alle Trauernden tröste, die Trauernden Zions erfreue, ihnen Schmuck bringe anstelle von Schmutz, Freudenöl statt Trauergewand, Jubel statt der Verzweiflung.“
So hat ihn der Geist dazu geführt weiterhin ein vollkommenes Leben zu führen – nur eben jetzt im öffentlichen Dienst an den Menschen, indem der mit den Worten der 2. Lesung herumzieht und Gutes tut und alle befreit, die in der Gewalt des Bösen sind. Diese Befreiung erwirkt er zuletzt und endgültig durch sein Sterben am Kreuz und durch sein Auferstehen – zu unserem Heil!
Was uns betrifft, so hat Jesus durch seine Taufe auch unsere Taufe zu einem Wendepunkt in unserem Leben gemacht. Zu jenem Punkt, an dem uns geschenkt wird, was uns an ihm geoffenbart wurde: die Gotteskindschaft und wesentlich damit verbunden die Gabe des hl. Geistes. Nicht dass wir uns erneut der Taufe unterziehen müssten: uns ist ein für allemal das gnadenhafte Kindsein vor Gott geschenkt! Aber unterziehen müssen wir uns der Auseinandersetzung mit diesem Geschenk; den Konsequenzen, die sich aus dieser Gabe ergeben; dem neuen Leben, das auch aus uns herausbrechen möchte und uns als Kinder Gottes vor unseren Mitmenschen und vor aller Schöpfung offenbaren möchte, indem auch wir in der Nachfolge Jesu umhergehen und Gutes tun und alle befreien, die in der Gewalt des Bösen sind; denn Gott ist mit uns!

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